Über Verbundenheit, Geschichten und Historizität im Wandel

Gregory BatesonWir begegnen dem Konzept der Verbundenheit immerfort auf mehreren Ebenen. Es existiert eine Verbindung zwischen einer Person und einer anderen, weil beide z.B. an derselben Geschichte teilhaben.

Quelle Bild: Barry Schwarz

Dann gibt es eine Verbundenheit der Menschen, die sich daraus ergibt, dass wir alle mit und durch Geschichten denken. In weiterer Folge ist zu beachten, dass das oben verwendete Wort Geschichte in der Geschichte, die ich gerade erzähle, nicht zu einer Isolation der menschlichen Spezies von anderen Lebewesen führt. Gregory Bateson führt dazu aus, dass die Vermutung nahe liegt, dass die Welt verbunden ist und das Denken mit Hilfe von Geschichten allem Geist oder allen Geistern gemeinsam sein muss.

Ich vertrete ebenfalls eine solche breite Auffassung von Geschichten und ihrer historischen Dimension, der Geschichte. Bateson unterscheidet in dieser Hinsicht innere und äußere Geschichten. Eine äußere Geschichte ist identisch mit Verhalten, denn Verhalten ist lediglich eine nach außen »projizierte« Narration. Kontext und Relevanz müssen aber nicht nur für die äußere Geschichten, sondern auch für innere gelten. Hier stoßen wir nun auf einen spannenden Aspekt der Geschichte der Geschichte, man könnte es sogar einen „Knackpunkt“ nennen:

Zumindest alle Lebewesen müssen innere Sequenzen oder eben Geschichten haben, die den Charakteristika von Kontext und Relevanz genüge tun. Der Prozess der Entstehung eines Menschen illustriert dies prägnant. Damit ist eine Entstehung im doppelten Sinn gemeint: Die Entwicklung der einzelnen Person und die Entwicklung der Spezies Mensch: Unsere Embryologie muss irgendwie aus dem Stoff von Geschichten bestehen. Und dahinter wiederum muss auch der Evolutionsprozess über Millionen von Generationen durch den die Person, wie Sie und ich, entstehen konnte – muss auch dieser Prozess aus dem Stoff von Geschichten aufgebaut sein. Es muss eine Relevanz in jedem Schritt der Phylogenese und auch zwischen den Schritten vorliegen.

Fazit: Kurzum, unsere Geschichte ist nicht beliebig aber auch nicht ahistorisch. Wir bewegen uns in einem größeren Kontext und dies auf mehreren Ebenen. Sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen kann hilfreich sein, denn wer automatisierte Geschichten erkennt, kann im freien Akt des Selbstvollzugs diese auch als „nicht-mehr-hilfreich“ entlarven und gegebenenfalls gegen eine andere Geschichte eintauschen. Damit ist dann Veränderung ermöglicht, die sich als Teil eines größeren Ganzen versteht und umfassende Aspekte mit in die Transformation einbezieht.